überBLICK
Blicke, blicken, beobachten. Retroperspektiv scheint mein beruflicher Werdegang ein durchaus gradliniger zu sein. Er begann im Kinderzimmer, direkt nach den Französisch-Hausaufgaben. Mein erster Roman füllt drei karierte DIN-A-4 Hefte und weitere 100 Seiten, handschriftlich, versteht sich. Eine wildromantische Liebesgeschichte, die mein 12-jähriges Ich erschuf, nachdem ich im Sommer mit meinem orangenen Optimisten gekentert war.
Mein erstes Boot. Stolz will ich meiner Oma zeigen, wie gut ich Segeln kann. Wir singen Eine Seefahrt, die ist lustig. Da frischt der Wind plötzlich auf. Wird in Boen so stark, dass die Wellen ins Boot schwappen. Innerhalb von Sekunden reagiert die Pinne nicht mehr. Oma im Bug ist zu schwer. Wir kentern. Mitten auf dem See. Nach wenigen Minuten ist das DLRG-Boot da. Ein Junge mit braunen Locken und muskulösen Armen angelte mich aus dem See. Der erste Magic Moment meines Lebens.
Weihnachten hatte ich eine kleine silberne Revue geschenkt bekommen. Deswegen gibt es ein Foto von mir und meiner ersten großen Liebe, die fünf Sommer lang hält.
Sechs Jahre später mache ich meine ersten beruflichen Gehversuchen als Zeitungsreporterin. Schnell weiß ich, dass ich nichts anderes will als Menschen beobachten, sie befragen, ihnen zuzuhören und aus den Notizen Reportagen oder Porträts zu formulieren. Schreiben wird mein Lebensinhalt.
Schreiben ist mein Beruf. Seit 40 Jahren. Mein Anspruch ist Qualität – inhaltlich, dramaturgisch, sprachlich, stilistisch.
Längst bin ich davon überzeugt, dass jeder Mensch in sich Geschichten trägt, die es verdienen, gehört, erzählt und gelesen zu werden. Dafür die richtigen Worte zu finden, ist die tägliche Challenge. Immer auf der Suche nach der perfekten Formulierung.
Als Journalistin fühle ich mich größtmöglicher Objektivität verpflichtet.
Als Autorin den Menschen, deren Geschichte ich erzähle.
Als Drehbuchautorin meinen Charakteren und ihren Emotionen.